Kaum je war unsere Sehnsucht nach Frieden so groß wie heute mit Blick auf die Kriege und Krisen in der Welt. Doch Frieden ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sagt die deutsch-palästinensische Autorin Joana Osman: „Frieden herrscht in einer Gesellschaft erst dann, wenn jeder gesehen wird und die Bedürfnisse aller so gut es geht erfüllt werden.“ Warum wir jetzt für eine radikal empathische Welt streiten sollten: Ein Interview
Frau Osman, In Ihrem letzten Roman »Wo die Geister tanzen« haben Sie versucht, die Geschichte des palästinensischen Teils Ihrer Familie zu rekonstruieren. Wann und warum haben Sie begonnen, sich dafür zu interessieren?
Joana Osman: Erst habe ich nur die Anekdoten gehört, wie das in jeder Familie so ist. Eine wirkliche Dringlichkeit hat das Thema für mich bekommen, als ich schwanger wurde, weil ich da angefangen habe, mich intensiver mit meiner Identität und meiner Familiengeschichte auseinanderzusetzen.
„Wo die Geister tanzen“ ist 2023, sechs Wochen vor dem Terroranschlag der Hamas auf Israel nahe Gaza erschienen, bei dem 1200 jüdische Menschen ermordet und mehr als 200 als Geiseln verschleppt worden sind. Wie hilflos haben Sie sich gefühlt, als Sie davon gehört haben?
Es war ein riesiger Schock! Alle in meinem Umfeld, die Freunde oder Bekannte in Israel und Palästina haben, waren total geschockt. Und es hat sich extrem bedrohlich angefühlt. Ich wusste in dem Moment sofort, dass sich die Situation jetzt unwiderruflich verändert hat, dass es nicht mehr so sein wird wie vorher. Es war wirklich so ein 9-11-Moment, würde ich sagen, ja. Und es war klar, dass Israel zurückschlagen würde.
Was folgte, waren Krieg, Tod und Zerstörung. Wiederholt sich in Gaza die Nakba von 1948, als 700.000 Palästinenser:innen, darunter auch Ihr Vater, die Heimat verloren haben?
Ich glaube nicht, ich glaube, es ist schlimmer! Was da gerade passiert, ist ein viel größeres Trauma als der Verlust der Heimat. Es ist existenziell. Und das sage ich, ohne die Nakba relativieren zu wollen.
Es liegt ein Friedensplan für Gaza auf dem Tisch. die letzten noch lebenden israelischen Geiseln sind wieder frei. Aber die Zukunft von zwei Millionen Palästinenser:innen ist ungeklärt: Rechte Kräfte in Israel fordern ihre Umsiedlung. Israelische Menschenrechtsorganisationen wie B’Tselem sagen, dass es das Ziel der Regierung Netanjahu ist, palästinensisches Leben in Gaza auszulöschen und für immer unmöglich zu machen.
Israelische Genozid-Forscher wie Omer Bartov sind schon länger der Meinung, dass die israelische Regierung in Gaza Völkermord begeht. Erst war man damit noch vorsichtig, denn der Begriff des Genozids ist im Völkerrecht sehr eng gefasst: Er kann nicht auf alle Menschenrechtsverletzungen angewendet werden und auch nicht automatisch immer dann, wenn einem Volk ein schreckliches Unrecht geschieht. Die Umsiedlungspläne etwa sind nicht neu – ich erinnere nur an die Idee des amtierenden US-Präsidenten, den Gazastreifen in eine Steueroase für reiche Oligarchen zu verwandeln! Was man aber sagen kann, ist, dass es faschistoid ist. Israels Präsident Netanjahu regiert mit faschistoiden Parteien – und Faschisten tun nun mal faschistische Dinge. Das heißt: Man muss und man darf und man soll diese israelische Regierung nicht nur kritisieren. Man muss sie auch zur Rechenschaft ziehen! Was man nicht tun sollte, ist, alle Israelis über einen Kamm zu scheren, denn die israelische Gesellschaft ist sehr divers – was die Herkunft der Menschen angeht, die verschiedenen Ethnien und natürlich auch die Politik. Es gibt in Israel säkulare und sehr religiöse Menschen, es gibt sehr rechtsorientierte Menschen und sehr linksorientierte und alles dazwischen.
Wer sich Israel gegenüber loyal verhalten will, sollte sich klar machen, was für ein Israel und wen in Israel er eigentlich meint, schreiben Sie in Ihrem neuen Buch („Frieden. Eine reale Utopie“). Was heißt das konkret?
Wie gesagt, Israel ist sehr divers. Das hat man am Generalstreik gesehen, als sich die Menschen im ganzen Land gegen die Regierung positionierten. Sie versuchten Druck aufzubauen, dass dieser Krieg zu einem Ende kommt und dass es eine Einigung mit den Palästinensern gibt. Die israelische Bevölkerung ist gegen diesen Krieg und gegen seine Fortführung. Das war nicht immer so. Direkt nach dem Anschlag der Hamas und dem Massaker vom 7. Oktober 2023 wünschte man sich eine militärische Antwort. Aber die Stimmung hat sich gedreht, die Menschen möchten auch die Geiseln zurückhaben. Wer Solidarität mit Israel propagiert, muss sich fragen, mit wem in Israel er sich solidarisieren möchte – mit der Zivilbevölkerung, die diesen Krieg unbedingt beenden möchte. Oder mit der israelischen Regierung, die das nicht unbedingt will.
Kann es sein, dass wir da als Deutsche mit unserem Konzept der „Staatsräson“ an Grenzen stoßen?
Das Problem mit der Staatsräson ist, dass sie noch nie definiert worden ist. Es hat auch noch nie jemand die Grenzen dieser sogenannten Staatsräson ausgelotet. Oder abgesteckt. Die deutsche Staatsräson sagt im Grunde genommen, dass man bedingungslos an der Seite Israels steht. Aber was bedeutet das denn? Meint man damit die israelische Zivilbevölkerung? Die israelische Regierung? Welches Israel meint man? So divers wie es ist, kann man das nicht einfach so definieren. Das ist auch der Grund, warum die Bundesregierung da aktuell so schwimmt – und keine Ahnung hat, was sie eigentlich tun soll.
Gibt es überhaupt einen echten, offenen Diskurs zu Israel und Palästina in Deutschland?
Es gibt nicht den einen Diskurs, es gibt auch nicht den einen vernünftigen Diskurs. Es gibt viele Diskurse aus verschiedenen politischen Richtungen und die werden alle sehr emotional und relativ wenig sachlich geführt. Je rechter im Spektrum, umso pro-israelischer wird argumentiert, was jetzt nicht bedeutet pro-israelische Bevölkerung, sondern pro-israelische Regierung natürlich. Und je linker, um so pro-palästinensischer – bis hin zur völlig unreflektierten Solidarität mit der Hamas. Aber das Thema Israel und Palästina ist komplex. Das ist kein Konflikt zwischen Gut und Böse, wie es oft dargestellt wird. Sondern einer, in dem beide Seiten sehr viel Schuld und Verantwortung tragen und beide Seiten Opfer sind. Oder sagen wir, die Zivilistinnen und Zivilisten beider Seiten sind Opfer des Konfliktes. Das ist das Problem und das ist die Komplexität, die wir in Deutschland oft verkennen.
Sie haben in den 2010er-Jahren, in der Zeit des Arabischen Frühlings, die Friedensbewegung The Peace Factory mit gegründet. Eine Erkenntnis damals war, dass die Front im Nahostkonflikt nicht zwischen der israelischen und der palästinensischen Zivilbevölkerung verläuft. Sondern?
Was ich in diesen Jahren gelernt habe, war, dass es zwei Arten von Menschen gibt im Nahen Osten. Die einen sind die, die sich Frieden wünschen. Die wollen einfach nur in Ruhe leben. Die möchten ihre Kinder nicht in den Krieg schicken. Die wünschen sich ein menschenwürdiges Leben: Perspektiven, gute Jobs eine gute Infrastruktur. Eben das, was sich jeder von uns auch wünscht. Dafür sind sie auch bereit, ins Gespräch zu gehen, Lösungen zu finden, auch mal einen Schritt zurück zu treten, zu reflektieren, Verantwortung zu übernehmen. Das ist, glaube ich, die große Mehrheit. Aber: Es ist eine stille Mehrheit! Ihr gegenüber stehen die, die sich nicht den Frieden wünschen, sondern den Sieg. Die sind an der Macht. Und da verläuft die eigentliche Front. Weil es diese Menschen eben auch auf beiden Seiten gibt.
Sie haben schnell gemerkt, dass man sich mit Friedensarbeit und Friedensaktivismus nicht nur Freunde macht …
Wir haben von Anfang an Drohbotschaften bekommen, sind bedroht und beschimpft worden. Es gab Drohungen von Menschen, die im Nahen Osten leben und die Situation dort kennen. Die meisten aber kamen tatsächlich aus dem europäischen oder US-amerikanischen Umfeld, von in der Regel weißen Menschen, Rechtsradikalen, die Friedensbemühungen grundsätzlich ablehnen.
Das heißt, es gibt weltweit Kräfte, denen es um Spaltung geht – und deren gefährlichste Waffen, sagen Sie, sind die Narrative von „Gut und Böse“, „Tätern und Opfern“, „Wir gegen die Anderen“. Warum funktionieren die so gut?
Weil wir alle süchtig nach Geschichten sind! Und weil wir Geschichten, wenn sie gut erzählt sind, noch immer mehr als Fakten glauben. Außerdem sind wir es gewöhnt, die Anderen und uns in Gruppen einzuteilen – und die eigene Gruppe ist natürlich immer die gute. Das ist der eine Grund, warum das bis heute verfängt. Der andere ist, dass wir einander nicht kennen. Also, wenn es das Narrativ gibt von denen da drüben, die uns was tun wollen oder was wegnehmen, dann verfängt es umso mehr, je weniger wir diese Anderen kennen. Dann können wir die in einen Topf werfen und generalisieren. In dem Moment aber, wo man sich persönlich kennenlernt, fällt das Feindbild in sich zusammen. Kleines Beispiel: Die Angst vor Überfremdung ist da am größten, wo wenig Diversität herrscht, wo die Gesellschaften sehr homogen sind wie in ländlichen Gebieten. In urbanen Regionen, wo Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander leben, arbeiten, Sport machen, sich also kennen, ist sie deutlich kleiner.
Es gibt viele Ängste momentan in Deutschland: Vor Putin und Trump, vor Wohlstandsverlust und sozialem Abstieg, vor Einwanderung. Und die „retropolitische“ Regierung Merz (Harald Welzer) verstärkt das noch, indem sie in der Migrationspolitik mit rechten Narrativen arbeitet.
Wir haben es mit einer Politik zu tun, die sich ganz klar gegen Vielfalt richtet, ganz klar und zunehmend stark auch gegen Frauen und Frauenrechte. Da hat es einen gewaltigen Rechtsruck gegeben in der Regierung, in der Gesellschaft aber auch, wie das oft in krisenhaften Zeiten passiert – und eine gewisse Bedrohungslage ist ja da, die Unsicherheit und die Angst kommen ja nicht von nichts. Das Problem dabei ist aber, dass die wirklich nachhaltigen, sinnvollen, logischen und funktionierenden Lösungen nicht aus der rechten Ecke kommen. Sondern genau da kommen die Probleme her!
Was wir in Deutschland gerade erleben, ist ein veritabler, antimoderner Backlash: Von der Rolle rückwärts in der Klimapolitik bis zur Austrocknung der Kulturetats. Vom neuen Antifeminismus bis zum Anschlag auf den Sozialstaat, den wir uns angeblich „nicht mehr leisten können“. Sind wir Gefangene einer Ideologie, die Sie in Ihrem Buch mit „Extraktivismus“ umschreiben?
Extraktivismus stammt als Begriff eigentlich auch aus der Wirtschafts- und Umweltforschung. Man kann es übersetzen mit rücksichtsloser Entnahme oder mit rücksichtsloser Ausbeutung. Zum Beispiel, wenn Bodenschätze ausgebeutet werden oder Wälder oder Gewässer. Dann ist von Extraktivismus die Rede. Aber man kann natürlich auch Menschen ausbeuten, menschliche Arbeitskraft zum Beispiel. Und ich habe diesen Begriff noch ein Stück weiter gefasst und sage, auch gesellschaftliche Werte wie Pluralismus und Demokratie können unterhöhlt, untergraben und ausgebeutet werden. Das zeigt sich unter anderem im Journalismus: Da wird unsere kognitive Aufmerksamkeit durch reißerische Artikel, die nicht unbedingt nur faktenbasiert sind, ausgebeutet, um Klicks erzielen. Das System dahinter ist extraktivistisch: Wir werden ausgesaugt. Und zurück bleibt nichts, denn zum Wesen des Extraktivismus gehört, dass man nimmt. aber nichts gibt. Also: Man beutet die Natur aus, pflanzt aber keine neuen Bäume. Man beutet menschliche Arbeitskraft aus, zahlt aber zu wenig. Man beutet gesellschaftliche Strukturen, gesellschaftlichen Zusammenhalt aus und gibt nichts zurück außer leeren Worthülsen wie „Nationalstolz“ etc. Das ist die Ideologie, die hinter dem Faschismus steckt, aber auch hinter dem Patriarchat. Das sind alles extraktivistische Ideologien, die darauf aus sind zu nehmen. Und nichts dafür zu geben.
Wie weit weg von dem „ganzheitlichen positiven Frieden“, der Ihrer Meinung nach oberstes Ziel von Politik in demokratischen Staaten und Institutionen sein sollte, sind wir in Deutschland?
Also Frieden ist ja nicht gleich Frieden. Frieden ist nicht, was passiert, wenn ein Krieg zu Ende geht. Die bloße Abwesenheit von Kämpfen und von Waffengewalt nennt man in der Fachsprache einen negativen Frieden. Positiver Frieden in einer Gesellschaft herrscht jedoch erst dann, wenn jeder gesehen wird und die Bedürfnisse aller so gut es geht erfüllt werden. Das wäre eine Gesellschaft, in der die Demokratie nicht einfach nur ein Wort ist, sondern wirklich gelebt wird – Teilhabe, Pluralismus, Integration – und in der extraktivistische Bestrebungen keinen Platz haben. Es wäre eine Gesellschaft, in der wir wirklich Rücksicht aufeinander nehmen und zwar jeder auf jeden. Das ist etwas, das in den allermeisten Gesellschaften nur in geringem Ausmaß gibt – und das heißt umgekehrt, dass eine echte Demokratie etwas sehr, sehr Fragiles ist. Demokratien sind im Moment weltweit in großer Gefahr. Auch bei uns in Deutschland ist sie bereits am Zerbröseln, wenn etwa versucht wird, gesellschaftliches Engagement zu erschweren oder Einfluss auf unsere pluralistischen Werte zu nehmen. Wenn also zum Beispiel das Hissen der Regenbogenfahne auf dem Reichstag plötzlich nicht mehr erlaubt oder so von oben herab negativ konnotiert, verächtlich oder lächerlich gemacht wird. Da ist der positive Frieden schon wieder ein Stück weiter weg.
Sie sagen: Wir alle sind der Frieden.
Ja, es kommt da wirklich auf jeden Einzelnen von uns an! Wenn Menschen unsere Demokratie, für die wir gekämpft haben, die wir uns erarbeitet haben, die wir auch schätzen gelernt haben, mit Füßen treten; wenn uns diese Werte, auf die wir ja auch stolz sein können, langsam, aber sicher weg brechen oder weg genommen werden: Da können wir doch nicht zuschauen! Das wäre wirklich fatal. Aber genau das ist halt, was oft passiert: Wir werden müde, möchten uns am liebsten verstecken vor den ganzen schlimmen Nachrichten, die auf uns einprasseln. Und das ist das Ziel: Dass wir mürbe gemacht werden sollen und nicht mehr an unsere eigene Selbstwirksamkeit glauben. Dann werden wir passiv. Und dann haben die, die uns die Demokratie unter den Füßen wegziehen, natürlich leichtes Spiel.
Okay. Aber wo und wie soll dieses „Wir“, von dem Sie sprechen, zusammenfinden? Wie soll das gehen unter den Bedingungen einer fragmentierten Öffentlichkeit, wie wir sie in Zeiten von Social Media nun mal haben?
Überall! Es gibt da überhaupt gar keine Limits! Die Gemeinschaft, die wir brauchen und mit der wir dann auch handlungswirksam werden können, findet man überall – beim Elternabend von den Kindern, beim Kaffeekränzchen mit der Familie, beim Stammtisch. Die findet man, wenn man in Parteien eintritt und politisch aktiv wird. Die findet man aber auch natürlich im Sportverein. Die findet man überall, wo Menschen zusammenkommen. Es geht darum, dass man nicht leise bleibt, dass man nicht verstummt, sondern dass man die Demokratie und ihre Werte verteidigt. Dass man aber auch die Missstände, die wir sehen, beim Namen nennt. Das ist der allererste Schritt. Wir müssen die Dinge, die schief laufen, erkennen und wir müssen die Ursache dafür erkennen und das müssen wir dann auch klar benennen. Wir dürfen uns nicht hinter Euphemismen verstecken, sondern müssen, wo wir Faschismus sehen, auch von Faschismus sprechen. Und es bringt dann auch nichts, die faschistoiden Akteurinnen und Akteure noch dauernd in Talkshows einzuladen! Das ist Eine. Der nächste Schritt ist, dass man anfängt, aktiv zu werden.
Da fällt mir der Soziologe Armin Nassehi ein: Wenn es so ist, wie er sagt, nämlich dass bei uns gerade „jeder Austausch hinter Formen der Auseinandersetzung verschwindet, die für Argumente so gut wie immun sind und die immer nur ein Ergebnis haben: auswegloses Unversöhntsein“, was bleibt dann noch?
Ja, das ist genau das Problem! Dass wir in diese Fallen tappen. In diese Fallen der Spaltung. Deshalb ist es so wichtig, dass wir, wenn wir uns Frieden wünschen, eine Vorstellung davon haben, eine gemeinsame Vision, wie diese Friedensgesellschaft aussehen soll. Und da können wir uns an dem Begriff des positiven Friedens sehr gut orientieren. Diese Vision ist ja schon oft ausformuliert worden: Das ist eine Gesellschaftsform, die wirklich eine reale, machbare Utopie darstellt. Nichts Fernes. Nichts, was irgendwie ein großes Hexenwerk wäre. Diese Vision müssen wir in die Welt tragen. Wir müssen darüber sprechen. Wir müssen über Frieden sprechen, auch wenn das ein sehr großes Wort ist und auch wenn wir uns in einer sehr kriegerischen Phase befinden. Es ist notwendig, dass wir über Frieden sprechen und uns nicht so in einer Problemtrance im Kreis drehen. Das ist nämlich genau das, was passiert: Wir sprechen ständig über Probleme, das ist auch notwendig, aber wir drehen uns dabei im Kreis. Wir verschwenden unsere Zeit damit, mit dem Finger auf Andere zu zeigen. Viel mehr sollte es darum gehen, dass wir, die wir uns Frieden wünschen, lösungsorientiert denken und unsere Vision des Friedens wirklich als Zielbild vor uns her tragen – ein konstruktives Narrativ gegen die destruktiven Parolen von Rechts.


Joana Osman: „Frieden – Eine reale Utopie“, Penguin Verlag, 124 Seiten, ca. 20 Euro
Joana Osman, geboren 1982, ist als Tochter eines palästinensischen Vaters und einer deutschen Mutter auf dem Dorf in Bayern aufgewachsen. Sie hat Amerikanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte studiert. 2012 gründete sie zusammen mit dem Israeli Ronny Edry in Tel Aviv die Online-Friedensbewegung The Peace Factory. Heute arbeitet Osman als Autorin, Dozentin und Storytelling-Coach. Sie ist eine der Stimmen der deutsch-palästinensischen Community, sucht den Dialog und gilt als sehr integrativ. Ihre belletristischen Werke „Am Boden des Himmels“ (2019) und „Wo die Geister tanzen“ (2023) kreisen um Fragen von Identität und Trauma, vor dem Hintergrund des Nahost-Konflikts. 2024 bekam sie den Bayerischen Kunstförderpreis. „Frieden. Eine reale Utopie“ (128 S., Penguin Verlag) ist Osmans erstes politisches Buch. Sie lebt mit Mann und Sohn in der Nähe von München




