Er weiß, wie Protest geht: Ob vor 40 Jahren, im Kampf gegen die WAA. Oder heute in der Auseinandersetzung mit der neoliberalen Agenda des „Blackrockers“ Friedrich Merz. Die Hoffnung der CSU, dass man den Musiker, Autor und Kabarettisten Hans Well, 73, ruhig stellen könnte, wenn man ihm den Bayerischen Verfassungsorden umhängt, hat sich nicht erfüllt. Gut so! Ein Interview
Hans, du schmeißt dich gerade voll rein, spielst oft zwei Konzerte an einem Tag, mittags auf einer Demo, abends auf einer Benefizveranstaltung. Woher nimmst du die Kraft?
Hans Well: Bei der Demo ging’s um die Wohnungsnot in München und die Mieten, die sich immer weniger Menschen leisten können. Das Benefizkonzerthaben wir für refugio gespielt: Die helfen Menschen mit Fluchterlebnissen bei der Bewältigung ihrer Traumata. Das ist für mich keine Frage von Kraft oder Lust. Andere arbeiten jeden Tag hart! Wenn man helfen kann und sich einbringen kann, dann machen wir das gerne. Ich glaub, die Griechen haben Leute, die nichts tun für die Gesellschaft, Idiotes genannt. Der Idiot kümmert sich um nichts und niemanden außer um sich selbst. So einer möcht’ ich nicht sein.
Wie’s ausschaut, brennt’s grad überall und die, die sich kümmern müssten, kommen entweder mit dem Löschen nicht nach (Stichwort: Mieten) oder hören mittendrin auf (wie bei der Integration von Geflüchteten). Macht dich das zornig?
Mei, wenn man zornig ist oder wütend, verliert man oft den Kopf oder seinen klaren Verstand. Aber es wühlt mich schon sehr auf, weil es dazu beiträgt, dass unsere Gesellschaft immer ungleicher und gespaltener wird. Das beeinträchtigt die Stabilität. Und im Endeffekt unsereFreiheit. Wenn Menschen nix mehr zu verlieren haben und die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgeht, hat niemand was davon – auch nicht die Reichen, die dadurch, dass es einen sozialen Ausgleich gibt, ja auch Sicherheit bekommen. Deshalb sollte man von reichen Menschen auch mehr Sozialabgaben verlangen! Denn sie haben ja auch am meisten zum Verlieren, wenn der Russ’ kimmt oder mit der Umwelt ihr Vermögen z’sammkracht. Also, schon von der Logik her müssten Reiche viel mehr Steuern zahlen als sie das im Moment tun.
Du warst als Künstler immer schon politisch. Wie ist es dazu gekommen?
Das hat mit der Zeit zu tun, in der ich aufgewachsen bin: Die 1960er-Jahre, das war so die Phase, in der auch in meinerFamilie die Konflikte aufgebrochen sind. Meine Eltern waren wie viele noch beeinflusst vom Hitler und vom Nazidenken. Ich bin als Bua aufs Gymnasium gekommen, jeden Tag mit dem Zug die 40 Kilometer nach München g’fahrn – und da hab ich ganz andere Sachen g’hört als daheim und auf’m Dorf: Von der Brutalität der Nazis, darüber, wie sie Menschen ihre Würde genommen haben. Was eine Diktatur mit einer Gesellschaft macht. Das hat dann daheim zu Auseinandersetzungen geführt. Und die haben mich politisiert. Später dann der Zirkus um diesen Liedtext von mir …
Nämlich?
„Gott mit dir, du Land der BayWa/ Deutscher Dünger aus Phosphat/ Über deinen weiten Fluren/ Liegt Chemie von fruah bis spat…“
Deine Version der Bayernhymne?
Genau. Bis dahin habe ich ja eher harmlose Sachen geschrieben. Aber das war derText, mit dem wir drei Brüder, der Michael, der Christoph und ich, bekannt geworden sind – und wegen dem die Biermösl Blosn für 20 Jahre aus dem Bayerischen Rundfunk geflogen ist! Das war’s aber wert: Der Dieter Hildebrandt hat uns danach zum „Scheibenwischer“ geholt. Nach Berlin. Damals habe ich zum ersten Mal persönlich die Machtstrukturen in Bayern kennen gelernt. Und wie sich die CSU des Staates und seines Senders BR bemächtigt g’habt hat.
Gutes Stichwort: Im Juli werden es 40 Jahre, dass du mit der Blosn beim 5. Anti-WAAhnsinnsfestival in Burglengenfeld bei Schwandorf aufgetreten bist – es war der Anfang vom Ende der WAA, die der Franz Josef Strauß den Oberpfälzern Hand in Hand mit der Atomlobby ans Bein binden wollte …
Also, ich fürchte ja, dass sich nicht die bayerische Regierung von der WAA verabschiedet hat, sondern die Industrie. Die beteiligten Firmen haben gemerkt, wie umstritten das Projekt in der Öffentlichkeit ist. Was da an Kosten allein für die Sicherheit auf die zugekommen wäre! Da haben sie kalte Füße gekriegt. Der Freistaat hätte diese WAA von sich aus nicht aufgegeben. Im Gegenteil. Die hätten das durchgezogen gegen den Willen der Bevölkerung und gegen alle Umweltbedenken …
Dazu passt, wie mit dem Protest umgegangen wurde, die Hubschrauber-Einsätze und CS-Gas-Attacken …
Es war ein Kampf der Regierung gegen das Volk, den der Strauß und die CSU da gegen jede Vernunft, aus rein ideologischen Gründen entfesselt haben! Man hat zwar von Verantwortung geredet, aber das zentrale Problem der Nutzung von Kernenergie – wohin mit dem Atommüll? – war denen wurscht! Folgekosten? Strahlung des Atommülls oder sonstiger Rückstände über Hunderttausende von Jahren – scheißegal.
Am Mut der Menschen, die sich damals aufgelehnt haben, kann man sich nur ein Beispiel nehmen, oder?
Die Stärke dieses Widerstands lag darin, dass praktisch die gesamte Bevölkerung mitgemacht hat: Pfarrer, Angestellte, Schüler, Bauern, Studenten, so gut wie alle politischen Gruppierungenhaben protestiert! „Wir sind das Volk“ haben die Oberpfälzer schon lang vor der Wende erfunden! Ich selbst war nie in dem Sinn politisch, dass ich gesagt hätte, ich bin ein Linker oder was immer. Ich hab mich damals wohl gefühlt unter Leuten,die das alles nicht hingenommen haben, die sich mit den Fragen der Kernkraft und ihren Problemen auseinandergesetzt haben – undzum Ergebnis gekommen sind, dass die WAA ein Anschlag auf die Natur und die Zukunft der Oberpfalz gewesen wäre.
Ich frag auch deshalb, weil der Markus Söder schon wieder Geschichten von Mini-AKWs (samt Anlagen für die Wiederaufbereitung und Neutralisierung des Atommülls) erzählt, die das Land seiner Meinung nach braucht. Glaubst du, er meint das ernst?
Wenn ja, dann ist er beratungsresistent. Die Kilowattstunde Sonnen- oder Windenergie ist so was von konkurrenzlos billiger! Das ist der günstigste Strom, der hergestellt wird. Selbst die Industrie will nicht mehr zur Atomkraft zurück. Offensichtlich will er mit seinem Gerede wie die AfD die Ewiggestrigen einfangen und ihre Stimmen holen.
Es ist schon eine komische Zeit, findest du nicht? Ständig muss einer beweisen, dass er der Größte ist. Söder? Größer als FJS. Trump? Sowieso der Allergrößte! Merz, der als Mini-Trump „von Tag eins“ an durch regieren wollte – und dann gemerkt hat, dass er auch noch einen Koalitionspartner hat. Alle tun so als könnten sie vor Kraft kaum laufen. Was ist da los?
Es ist eine restaurative Zeit, in der wir leben und in der man glaubt, „Werte“ wieder ausgraben zu müssen, die absolut verbraucht und überlebt sind und ranzeln. Wenn Merz in Brüssel „Deregulierung“ fordert, will er etwas Ähnliches als das, was diese rechten US-Technokraten schon durchgesetzt haben: Die pfeifen auch auf Umweltschutz und Sozialstaat! Da werden Milliarden zwischen Politik und Wirtschaft hin und her geschoben und egal ob Bezos, Thiel oder Trump, alle bereichern sich, während breite Schichten der Bevölkerung ärmer werden. Wir sollten genau hinhören, was Blackrocker Merz daheim und in Brüssel erzählt. Wenn die USA von heute sein Vorbild sind, kann er abhauen!
Was hilft’s eigentlich, wenn wir uns alle zu Scheinriesen aufblasen? Wär’s nicht besser, wenn wir uns eingestehen, dass die Dinge in der Welt und vor unserer Haustür gerade nicht wirklich gut laufen – und dass uns das auch Angst macht?
Ich glaub, wir müssten weniger Angst haben, wenn das Bekenntnis zu Europa kein Lippenbekenntnis wäre. Europa hat so viel zu bieten und könnte so viel aus seiner Vergangenheit lernen! Aber man muss halt auch wollen. Aktuell fällt es mir tatsächlich schwer, optimistisch zu sein, wenn ich sehe, wie Trump, Vance und ihre Tech-Bros die AfD unterstützen, wie sie die rechten Regierungen von Orban, Babis oder Fico pampern oder gepampert habem- umsonst sind die ja nicht so aufgeblasen worden. Ich nutze jedenfalls kein Amazon, Paypal, Whatsapp oder Microsoft mehr und pfeif auf Tesla!
Du spielst mit deiner aktuellen Truppe, den Wellbappn 2.0, in der Stadt und auf dem Land, in Clubs und Wirtshäusern. Was beschäftigt die Menschen in diesen Zeiten?
Ich glaube, viel von dem, was die Politik thematisiert, ist überhaupt nicht relevant für das tägliche Leben der Leute! Für die ist wichtig, dass die Züge fahren, dass die S-Bahn bei uns im Gäu, um München herum, wenigstens einen Hauch Zuverlässigkeit hat. Immer mehr fragen sich, wie sie ihre Mieten zahlen sollen, wo sie unterkommen, wenn sie ihre Wohnung verlieren. Unter der Bruck’n? Für Viele ist das kein Albtraum mehr, sondern eine reale Bedrohung! Und ich versteh nicht, warum die Politik diese Themen nicht endlich in Angriff nimmt! Die Stadt Wien zum Beispiel hat Wohneigentum seit 1918 nicht mehr verkauft, sondern gekauft, was sie kriegen konnte und dann in Erbpacht vergeben. Deswegen gibt’s dort 60 Prozent Sozial- und Genossenschaftswohnungen. Der frühere Münchner Oberbürgermeister und Justizminister von der SPD, Hans Jochen Vogel hat sich fast sein Leben lang abgearbeitet, dass eine Bodenrechtsreform kommt – die Lobbys von Union und FDP haben das verhindert. Dabei ist die Wohnungsfrage nicht irgendeine Frage: Wohnen ist ein Menschenrecht! Und Politiker, die den Menschen eines ihrer wichtigsten Rechte versagen, deren Legitimation kann man mit Recht in Frage stellen!
Ich merk, das fasst dich an …
Naja, ich seh ja, was die Leute bei Demos für Schilder hoch halten! Ich hab selber viele Bekannte und Freunde, die betroffen sind! Und ich hab drei Kinder, die in München studiert haben. Mit der S-Bahn brauchst du da inzwischen nicht mehr fahren, weil seit die 2. Stammstrecke gebaut wird, ist da jedes Wochenende und unter der Woche oft die gesamte Strecke gesperrt. Wer sich in München keine Wohnung leisten kann, ist verratzt. Das wäre ein lebensnahesThema für die Politik! Stattdessen reitet man das Thema Asyl zu Tode, schiebt ausgebildete Leute ab, obwohl man Arbeitskräfte braucht, und holt dafür andere ohne Sprachkenntnisse und Ausbildung. Das ist Symbolpolitik, total absurd! Wobei: Beim Dobrindt wundert mich eh nichts mehr. Schon seine Ausländermaut hat uns eine halbe Milliarde gekostet. Der kostet uns noch einiges mehr!
Mein Eindruck ist, du rauschst gerade in deinen Liedern und Texten wie ein Schnellzug durchs politische Geschehen …
Oh mei, da hätt ich ja arg Verspätung (lacht)! Nein, ich glaub halt, wenn wir nicht aufpassen, sind die Werte weg, die wir für unverrückbar gehalten haben, von denen wir nie gedacht hätten, dass jemand sie in Frage stellt. Stichwort: soziale Gerechtigkeit, Demokratie, Asyl, Klimaschutz. Initiativen wie die Bürgerbewegung Finanzwende, refugio oder die Deutsche Umwelthilfe fürchten, dass sie ihre Gemeinnützigkeit verlieren. So würgt man demokratische Kontrollmöglichkeiten ab!
Diese Gleichzeitigkeit, der News-Flash: Wird dir das nicht manchmal zu viel? Ich meine: Früher hast du halt mal die Bayernhymne umgeschrieben, weil’s grad passt hat. Heute muss in deine Version der Europahymne alles rein, der Orban und die Meloni, Manfred Webers EVP und ihre Geisterfahrten mit den Rechten beim Klimaschutz und in der Migration.
Ja, aber das gehört da auch rein! Die EVP von Manfred Weber zerlegt mit Rechtsextremen gerade den Green Deal – passend zur Linie der Union, die das Lieferkettengesetz, das Verbrenner-Aus und das Glyphosatverbot aushebeln will. Der Söder hat das Volksbegehren zum Artenschutz ja auch nur gezwungenermaßen anerkannt – der Wind hatte sich gedreht und Markus der Windige mit ihm. Ob in Bayern, Deutschland oder Europa, überall baut man unter dem Deckmantel der Entbürokratisierung Umweltregeln ab. In den Bergen zum Beispiel darf man jetzt Seilbahnen bis zu drei Kilometern Länge und Beschneiungsanlagen genehmigungsfrei bauen! Das heißt dann: Modernisierungsgesetz.
Du hast schon bei der Biermösl Blosn alle Texte geschrieben. Ist das Schreiben für dich ein Ventil, ein Weg, um mit all dem Wahnsinn klar zu kommen?
Schon, ja! Beim Schreiben kann ich mich einbringen! Und wenn ich einen Liedtext schreibe, muss ich mein Thema auf den Punkt bringen – ein Gstanzl zum Beispiel hat nur zwei Zeilen! Das macht mir Spaß. Die Knappheit der Liedform im Dialekt hat viele Vorteile: Pointiert, mit Humor, erreichst du die Menschen besser als mit politischen Reden. Und speziell die Leut’ in Bayern haben dazu noch diesen guten „Host mi!“ in Sachen hinterfotzigem Witz. Das schließt Attacken auf die, die es verdienen, oder Nachdenkliches nicht aus.
Hat das etwas Leisere, Hinterkünftige, wie du es magst und pflegst, es heute auf der Bühne eigentlich schwerer?
Bei fernsehtauglichen Formaten bestimmt. Aber grad junge Leute mögen den abgedrehten Witz. Das Verständnis dafür ist nicht schlechter geworden. Schlechter geworden ist, dass manche Kollegen abgedriftet sind. Rechtes Kabarett ist inzwischen im Fernsehen gut vertreten! Generell war’s im Kabarett lange gute Tradition, dass man die Stärkeren, Mächtigeren der Gesellschaft angreift. Heute ist es oft so, dass man Leute auf der Bühne bloßstellt und lächerlich macht, die sowieso schon Opfer sind.
Das heißt, es gibt Themen für dich, da hört der Spaß auf?
Damals bei der Demo gegen das Heizungsgesetz in Erding haben Kabarettisten die ekelhaften Angriffen von Aiwanger auf die Demokratie mit seinem „Bayrischem Idiom“ entschuldigt. Nach Berlin marschieren und „denen da droben den Arsch aufreißen“, da hört für mich der Spaß auf! Das ist nicht lustig. Trotzdem haben wir es in unserem Wellbappn 2.0-Programm thematisiert. Oder das Thema Missbrauch, egal, ob in der Kirche oder wie jetzt im Fall Epstein. Auch dazu haben wir was gemacht – weil wir denken, dass es wichtig ist, dass man das Wesentliche erfasst, wie so Muster ablaufen und wie man es vertuscht vor allem. Es gibt ja auch ein Lachen, das einem im Hals stecken bleibt.
Der Maxi Schafroth, den du ja auch persönlich kennst, hat viel einstecken müssen, als er unlängst nach Grönland geflogen ist und dort die amerikanische Flagge hissen wollte. Das sollte witzig sein. Satire. Aber nicht nur die Grönländer haben darüber nach Trumps Annexionsgerede nicht lachen können. Verständlicherweise?
Schon! Die Grönländer sind ja potenzielle Opfer. Eine gute Satire wäre gewesen, wenn er vor dem Weißen Haus die grönländische Flagge in den Boden gerammt hätte! Aber es war ja nicht der Schafroth allein. Der hat halt mitg’macht, was die Redaktion vorgeschlagen hat – und alle haben sich danach entschuldigt. Der Bischof von Regensburg und der Bischof von Passau haben sich bis heute nicht bei Frauke Brosius-Gersdorf entschuldigt für ihre haltlosen Verdächtigungen und die üble Nachrede, mit der sie sie als Kandidatin für das Amt der Verfassungsrichterin diskreditiert haben! Das bringt so ein Voderholzer nicht über seine gequälte christkatholische Seele …
Kann man Konfliktlagen, wie wir sie heute erleben, überhaupt mit Satire beikommen?
Bei Comedy weniger, da ist der 10 Sekunden-Gag wichtig. Gutes Kabarett dagegen lebt von einer gesicherten Ahnung über das, worüber man Witze macht. Dieter Hildebrandt hat für seinen „Scheibenwischer“ oft vier Wochen lang recherchiert – denn nichts ist schlimmer für einen Kabarettisten, als den Falschen zu attackieren. Wenn es faktisch gesichert den Richtigen an die Gurgel geht, halte ich Kabarett nach wie vor für eine scharfe Waffe.
Ironie war mal das Mittel der Wahl, um sich die Zumutungen der Gegenwart vom Leib zu halten. Heute liegt da irgendwie kein Trost mehr drin, oder?
Finde ich schon! A guade Ironie hat für mich was Tröstliches! Also, wenn man über sich und andere lachen kann. Politische Hardliner verstehen in der Regel allerdings keine Ironie.
Apropos! Bald ist Fußball-Weltmeisterschaft …
Du meinst diese Trump-Infantino- WM, für die der eine Mafioso dem anderen schon vorab den FIFA-Friedensnobelpokal überreicht hat? Die boykottiere ich persönlich ganz vital!
Aber du hast doch dein Leben lang Fußball gespielt?
Stimmt! Ich hab jahrzehntelang meine Mannschaft geschwächt (lacht). Zuerst beim Verein für Spiel, Sport und Tanz VSST Günzlhofen, den haben mein Vater und mein Bruder gegründet. Und später beim SV Adelshofen in der Ammersee-Liga. Da hab ich in der zweiten und ersten Mannschaft und bei den Alten Herren gespielt – U Hu, wie meine Kinder gespottet ham: Unter 100 Jahre. Laut Statistik hab ich in 16 Jahren ganze drei Tore geschossen, davon ein Eigentor. Aber ich hab die Gegner verwirrt!
Und du schaust dir die WM nicht an?
Nein! Und ich hätt nix dagegen, wenn auch der DFB das Turnier boykottiert nach allem, was da nicht nur in Minnesota passiert ist oder in Venezuela. Aber ich wette, dass sie’s nicht tun: Die verdienen einen Batzen Geld damit!
Danke fürs Gespräch!
Hans Well, geboren 1953 in Willprechtszell, war das neunte von 15 Kindern des Ehepaars Hermann und Gertraud Well aus Günzlhofen bei Fürstenfeldbruck. Der Multi-Instrumentalist trat schon früh mit seinen Geschwistern in Gasthäusern auf. Nach dem Abitur studierte er erst in München Pädagogik. Doch statt Lehrer zu werden wie der Vater gründete er 1976 mit seinen Brüdern Michael und Christoph die Biermösl Blosn, die mit Gästen wie Gerhard Polt, Jörg Hube u.a. nicht nur Kabarett-Geschichte schrieb, sondern auch Weihestätten der Hochkultur wie das Münchner Resi oder die Wiener Burg bespielte. Die Trennung im Jahr 2012 beendete das Projekt, nicht aber das künstlerische, politische und gesellschaftliche Engagement des Hans Well. Im Hörbuch „Rotes Bayern“ erzählt er von der Münchner Revolution 1918 und den Räterepubliken 1919. 2021 wird er mit dem Bayerischen Verfassungsorden ausgezeichnet. Seit 2024 arbeitet er als politischer Kolumnist für die SZ. Und auch dem Kabarett ist er mit seinen Wellbappn 2.0 - Tochter Sarah und Komalé Akakpo - verbunden geblieben. Well ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt in Zankenhausen




